Hallo Leute!
Nach dem sagenhaften Melbourne war Hobart direkt der pure Kulturschock! Es drückte schon ein bisschen, als man das heisse, sonnige und viel bietende Melbourne verliess und ins kaltwindige, verhältnismässig kleine Hobart kam, wo gerade eine Regatta von Sydney endete und neben dem Jahreswechsel die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt auf sich zog. Viele Attraktionen wie Streetperformer (gute bis sehr gute bis zu schlecht-langweiligen), eine Halle mit Essständen aus aller Welt und dementsprechend vielen Leute "begrüssten" mich. Ein scharfer Blick in den Reiseführer klärte mich über unzählige, alte und gut erhaltene Häuser sowie dem Battery Point, ein kleiner Hügel nähe des Stadtkerns, auf und betonten diese Orte, doch ein Besuch an den besagten Stätten injizierten nicht die Begeisterung, welche Melbourne locker tat. Der zweite Tag zeigte sich dann immerhin von der sonnigeren Seite und ein Besuch auf dem Hausberg Mount Wellington bot mir somit eine wunderbare Aussicht über das grossräumige Hobart, welches sich regelrecht an die Bucht drängt. Irgendwie war auch klar, dass Hobart keinen einfachen Stand hatte um gegen Melbourne anzutreten. Dazu kommt noch, dass man nicht nach Tasmanien wegen Hobart geht, sondern Hobart bloss ein wichtiger Knotenpunkt für das Weiterreise-Business ist.
Die Weiterreise führte mich dann auch nach Port Arthur, das ebenfalls im Führer als "well-preserved historic-site" und im gleichen Satz mit "one of Tasmania's prime tourist attraction" gepriesen. So war es dann auch in Wirklichkeit: Riesige Parkplätze und viele Touristen füllten diese kleine, alte Ruinenstadt. Erst wars ja noch ein dicker Spass, durch die Ruinen zu laufen und sich vorzustellen, wie die Leute früher gelebt haben und im Gefängnis schmoren mussten, aber die Ruinen sind dermassen zerfallen und trotz "well-preserved" schweben gewisse Räume nur in den eigenen Vorstellungen herum, machen das Erlebnis zur Anstrengung und mit der Zeit nervte es mich sogar ein bisschen, dass ich ins x-te Haus lief, einen leeren Raum mit leerem Cheminee und einer Tafel "living-room in 1835" antraf. Ich bin zwar geschichtlich sehr interessiert, aber das war wohl eines zuviel...
Dafür stoppte ich noch auf der Fahrt gen Norden an naturellen Sehenswürdigkeiten wie das Tasmanische Blowhole, die Devil's Kitchen (quasi ein Spalt im Felsen, vom Meer erschaffen) und den Tasman Arch, allesamt von der Natur über Jahrtausende erschaffene Highlights, die ein bisschen Erinnerungen an die Great Ocean Road aufbrauchten.
In Triabunna nächtigte ich dann und hoffte auf gut gesinnte Glück, weil mein Mobiltelephon nicht funktionierte, bzw. mein Anbieter kein Netz zur Verfügung stellte, dass ich am nächsten Morgen mit dem ersten Boot auf die Maria Island schiffen kann. Das Glück blieb mir hold und ich konnte an die Stelle von vier nicht erschienen Personen einspringen und rüber auf die Maria Island düsen. Wolkenloser Himmel liessen meine Erwartungen steigern. Erst wars zwar etwas Nervenkitzel, denn es galt das letzte Boot um 4pm zu erreichen, doch je länger ich lief, je höher ich stieg, je mehr Gipfelluft ich schnupperte, desto mehr wusste ich das dies machbar ist. Durch dickes Gestrüpp ging’s, wo ich übrigens eine giftige Black Tiger bei ihrer Mahlzeit störte, an hohen Bäumen vorbei und schlussendlich über etwas Steiniges dem Gipfel entgegen, welcher mir eine hervorragende Sicht über die Insel aufs Festland und auf Strände entblösste, die ich nie erdachte! Ein gemütlicher Rast und der Genuss auf dem Gipfel liessen die Zeit nur so an den Abstieg drängeln, der im Übrigen stress- und tadellos verlief...
Nächste Station war der Freicynet Nationalpark (wie dä Schämpis), der neben den bolligen Hügeln The Hazards und dem makellosen Wineglass Bay (check pix!) verschieden lange Walks zu bieten hat. Ich suchte mir den längsten aus und soweit ging auch alles gut, bis ich den Weg schlichtwegs nicht mehr fand. Der Kompass war weniger das Problem, mehr die Gratislandkarte, welche einem Kinderkroki ähnelte. Ich suchte den Pfad, versuchte verschiedene Methoden, darauf zu gelangen, lief dem Meer entlang, brach ins Dickicht ein, wo mir ausser Frust und Spinnenweben im Gesicht nicht wirklich Erfolg brachte. Somit gings zurück und direkt an den Wineglass Bay (der übrigens letzthin vom US-Magazin "outside" unter die Top10-Beaches gewählt wurde), welcher dann auch wirklich hielt, was er versprach. Sand so weiss wie chlorfreies Papier wurden von riesigen Wellen bespühlt und umwühlt. Bis an diesen Moment hätte ich nie gedacht, dass ein Strand dermassen imposant sein kann! Ein Lookout bestätigte dann dies nochmals und als ich am Ende noch auf dem Mount Amos, einer der Hazard-Hügel, ankam, verhärtete sich diese Preislobung! Fantastisch!
Tags darauf fuhr ich nach Launceston, die zweitgrösste City auf der Insel, wo ich mir einen kleinen Eindruck des Städchens verschuf und zielstrebig ein neues PrePaid machen liess. Das Tagesziel hiess dann aber Stanley, wo The Nuts, ein Felskloss, der wie ein angebrannter Pfannkuchen am Meere thront. Auch ist ein Rundgang auf dem Plateau möglich, der, trotz windigen Verhältnissen, eindrückliche Schnappschüsse zuliess. Das Meer war an diesem Abend Ebbe was die Strände ins schier Unglaubliche dehnte. Erst dachte ich, die Strände seien dort immer so, doch am nächsten Tag bewies mir die Flut eines anderen!
Doch was als nächstes folgte, ist in jedem noch so lausigen Ferienprospekt über Tasmanien erwähnt und bebildert: Cradle Mountain Nationalpark, neben dem Wineglass Bay wohl das Aushängeschild und Magnetpol der Insel schlechthin! Da in dieser Zeit ziemliche High-Season (or you pay my friend :-) ) herrscht, blieb mir bloss noch die Wahl einer unpowered Alpine Hut. Ich als platzsparender Reisender habe mir natürlich ein dünner Schlafsack gekauft (+8°), was sich im Nachhinein als fataler Fehler entpuppte. Die Nächte tendierten gegen den Nullpunkt und Nepi suchte vergebens nach Wärme. Beim ersten Erwachen mussten mehrere Schichte angezogen werden, beim zweiten Mal musste eine ungebrauchte Matratze als Deckenersatz hinhalten. Obwohl die zweite Nacht dann etwas besser und die dritte verhältnismässig sehr gut verschlafen wurde, schwitzte ich nie in dem Hüttli!
Wie auch immer, ich liess es mir nicht entgehen auf den Cradle Mountain zu laufen, ein beliebtes Wanderziel, wie ich feststellte, und genoss dort die Aussicht auf verschiedene, kleine Seen und ins weite Land, wo vereinzelte weitere Berge auf ihre Besteigung warten und der berühmte Overland Track hindurch führt und im nächsten Park, dem Lake St. Claire, endet. Ebenfalls krabbelte ich auf den noch weiter entfernteren Barn Bluff, der noch weiter im Lande vorzufinden ist und sich nur noch wenige verirren. Auch da genoss ich das tadellose Wetter und eine super Aussicht, wohin man auch immer schaute! Obwohl der "Schlussspurt" etwas rassig ist, kann ich diese Gipfel nur empfehlen (nur für den Fall dass mal jemand per Zufall hier vorbeischaut...).
Die nächsten Tage sollten dann im südlichen Bruder, dem angehängten Lake St. Claire Nationalpark, diesen Erlebnissen anknüpfen. Der Walk am See entlang (letzter Teil des Overland Tracks) zeigte sich von einer ungeheuren Naturvielfalt. Auch wenn das Wetter nicht mehr so wollte (einige wenige Tropfen fielen), es blieb glücklicherweise freundlich gesinnt.
Jp, und bevor ich wieder nach Hobart zurückgekehrt bin, habe ich noch einen kleinen Abstecher in den Mount Field Nationalpark gemacht, ein kleiner, herziger Nationalpark, der sich mit allen Kräften um Publikum bemüht. Die Walks hier sind eher kürzer und können somit alle ziemlich gut und ohne Stress an einem Tag genossen werden. Der Tall Tree Walk beispielsweise zeigt Bäume, die zu den Grössten weltweit (nicht bloss „in the southern hemisphere“) gehören.
Hebed e gueti Ziit und bis glii wieder...
cheerz
nepi / Marcel
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